INTERVIEW: Frau Merkel, wann ist ein Lehrer ein guter Lehrer?
Das Interview im Wortlaut:
Frau im Spiegel: Sie wären gerne Lehrerin geworden. Bedauern Sie, dass Sie einen anderen Weg gegangen sind?
Merkel: Ein Grund für eine andere Berufswahl war, dass Lehrer in der ehemaligen DDR dazu angehalten wurden, die Haltung ihrer Schüler zum christlichen Glauben zu problematisieren. Das konnte ich mir für mich nicht vorstellen.
Natürlich bedauere ich die Entscheidung aus der heutigen Perspektive auch deshalb nicht, weil mir meine Arbeit sehr viel Spaß macht.
Frau im Spiegel: Was hat Sie denn am Lehrerberuf gereizt?
Merkel: Es ist eine faszinierende Aufgabe, Kindern die Welt näher zu bringen,und damit auch den
Frau im Spiegel: Was zeichnet einen guten Lehrer aus?
Merkel: Wenn ein Lehrer zum Beispiel nach Unterrichtsschluss oder sogar nach Schulabschluss noch über seinen Schüler nachdenkt und sich fragt, wie es ihm geht oder was aus dem Kind geworden ist, das ist eine ganz tolle Eigenschaft.
Frau im Spiegel: Ist das ein Grund, warum Sie die Bildung zur Chefsache erklärt haben??
Angela Merkel: Die Zukunft Deutschlands wird davon abhängen, wie gut gebildet unsere Kinder sind. Deutschland besitzt keine Rohstoffe, unser Wohlergehen hängt von den Köpfen und den Herzen unserer Bürger ab.
Deshalb gilt: Ohne Bildung kein Wohlstand.
Frau im Spiegel: Bildung fällt aber eigentlich nicht in das Hoheitsgebiet der Kanzlerin…
Merkel: Natürlich liegt ein großer Teil der Zuständigkeit bei den Ländern. Aber wie ich sage: Wenn wir zur Bildungs- Republik Deutschland werden wollen, müssen Bund und Länder an einem Strang ziehen und besser zusammenarbeiten.
Alles andere verstehen die Leute nicht. Mir ist es auf meiner Bildungsreise auch sehr wichtig, die Arbeit von Erziehern, Lehrern und das ehrenamtliche Engagement der Eltern wieder verstärkt in den Mittelpunkt zu rücken.