Die Lehrer von morgen
Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen sollen künftig alle Lehrer eine sechsjährige Ausbildung absolvieren. Das sieht der Entwurf für das neue Lehrerausbildungsgesetz vor, den das Landeskabinett verabschiedet hat. Das Studium gliedert sich künftig für alle Schulformen in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium, dessen Abschlussprüfung das bisherige erste Staatsexamen ersetzt.
Bislang gibt es für Grundschullehrer eine kürzere Studienzeit. Bis zum Wintersemester 2011/12 sollen alle Hochschulen auf die neue Lehrerausbildung umgestellt haben.
An das Studium soll sich ein mindestens 12-monatiger Vorbereitungsdienst an den Schulen anschließen, wie die Landesregierung mitteilte. Die Verkürzung des Referendariats von zwei Jahren auf zwölf Monate soll schrittweise erfolgen. Der Vorbereitungsdienst wird ab 2011 zunächst auf 18 Monate verkürzt.
Über die weiteren Schritte soll nach einer Überprüfung in der nächsten Legislaturperiode entschieden werden. Der Vorbereitungsdienst wird auch zukünftig mit einem Staatsexamen abschließen. Lehrerverbände hatten gegen eine Verkürzung des Referendariats protestiert.
Mit dem Gesetz soll ein eigenständiger Studiengang für das Lehramt an Grundschulen eingeführt werden.
Damit will die Landesregierung nach eigenen Angaben der gestiegenen Bedeutung des frühen Lernens Rechnung tragen. Die weiteren Lehrämter sind das Lehramt an Haupt-, Real- und Gesamtschulen, das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen, das Lehramt an Berufskollegs und das Lehramt für sonderpädagogische Förderung.
Die SPD kritisierte den Gesetzentwurf als “Schritt in die falsche Richtung”. Die schulformbezogene Lehrerausbildung “orientiert sich an dem alten dreigliedrigen Schulsystem, das keine Zukunft hat”, sagte SPD-Schulexpertin Ute Schäfer. Völlig falsch sei auch die Verkürzung des Referendariats auf ein Jahr. “Die Kürzung der wichtigen Ausbildungszeit in der Schule soll nur Kosten sparen.”
Die SPD ist dafür, sechs Monate der Referendariatszeit zwischen dem Bachelor und dem Master zu platzieren. Das vermittele den Studenten frühzeitig ein realistisches Berufsbild.
Gestärkt werden soll durch die neue Lehrerausbildung auch der Praxisbezug des Studiums.
Um frühzeitig Erfahrungen mit der Lehrerrolle zu sammeln, müssen die künftigen Pädagogen schon vor Studienbeginn ein Praktikum absolvieren. Während des Bachelor- und des Masterstudiums sind weitere Praktika vorgesehen. Teil des Masterstudiums wird außerdem ein Praxissemester, in dem die Studierenden eigenen Unterricht planen und durchführen.
Die Studenten sollen mit der vorgezogenen Praxisphase “die Herausforderungen des Lehrerberufs frühzeitig kennenlernen und ihre persönliche Eignung rechtzeitig überprüfen können”, sagte Schulministerin Barbara Sommer (CDU).
Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) betonte: “Wir schaffen klare Verantwortlichkeiten: Die Hochschulen sind zuständig für die Ausbildung der angehenden Lehrer bis zum Master-Abschluss, die Zentren für die schulpraktische Ausbildung und die bisherigen Studienseminare für das Referendariat.”
Der vom Kabinett beschlossene Gesetzentwurf geht nun in die parlamentarische Beratung und soll im Frühjahr 2009 vom Landtag verabschiedet werden. (dpa)
Quelle: www.fr-online.de