This blog is a non-profit project about german educations. All powered and sponsored by Nils Mewus.

Bildungsstand(ard)ort Deutschland

Bildungsort Deutschland: Alles rund ums Thema Bildung, Erziehung & mehr…

Preis für das, was weder gang noch gäbe ist

Vorgestern war Theorie, gestern Praxis: Studien, wie die am Dienstag vorgestellten Iglu und Timss zum Lesen und Rechnen, liefern der Schulpolitik Hinweise, wo das System mehr und weniger leistungsfähig ist. Darüber, was guter Unterricht ist oder wie eine Schule sich von einer Penne zum Lebensraum mausern kann, sagen sie nichts aus. Ebenso wenig können sie einfangen, was es bedeutet, wenn eine einzelne Schule sich - ohne auf Vorgaben von Kultusministern oder Schulämtern zu warten - einfach auf den Weg macht: für Schüler, für Lehrer, für Eltern.

Der Deutsche Schulpreis, der am Mittwoch von Bundespräsident Horst Köhler in Berlin verliehen wurde, nimmt den Mikrokosmos des Lernens und damit die Praxis in den Blick: 250 Bewerberschulen wurden in diesem dritten Jahr, in dem der Preis verliehen wird, daraufhin begutachtet, ob sie ein Gesamtkonzept für erfolgreiches Lernen gefunden und verwirklicht haben.

Bereits zum zweiten Mal nach 2006 geht der mit 100 000 Euro dotierte Hauptpreis an eine Grundschule: an die Wartburg-Schule im westfälischen Münster. Seit 1979 werde hier “mit Ausdauer und Energie” immer wieder an Verbesserungen gearbeitet, lobte die Jury aus Pädagogen und Wissenschaftlern. Zu dem, was die Schule ausmacht, gehört vieles was in Deutschland weder gang noch gäbe ist: Ganztagsbetrieb und jahrgangsübergreifender Unterricht, keine Noten, systematische Leseförderung. Und: Die Schüler werden aktiv in die Gestaltung ihrer Schule einbezogen. Sie waren es auch, denen die Schulleiterin Gisela Gravelaar am eindringlichsten dankte: weil sie “so toll Verantwortung für sich und ihr Lernen übernehmen”.

Weitere und mit je 25 000 Euro dotierte Schulpreise gingen an die Grund-, Haupt- und Werkrealschule Altingen in Ammerbuch, das Gymnasium Schloss Neuhaus in Paderborn, die Gesamtschule Bonn-Beuel und die Förderschule am Voßbarg in Rastede. Einen Sonderpreis erhielt die Werkstattschule in Bremerhaven, weil es ihr gelinge, auch schwierigen Schülern “wieder eine Richtung zu geben” und jeden “als Menschen zu mögen und anzunehmen”. Die Grundschule im Grünen in Berlin, die einen großen Teil ihres Unterrichts in der Natur und auf der schuleigenen Farm abhält, wurde prämiert, weil sie “Nachhaltigkeit als Aufgabe für jeden Tag” begreife.

Vielfalt ist wichtig

Schulen, die sich bei der Robert-Bosch- und der Heidehof-Stiftung bewerben, müssen die hochkarätig besetzte Jury in sechs Bereichen überzeugen. Zwei von ihnen, nämlich Leistung und Unterrichtsqualität, sind dabei solche, die wohl auch Laien für eine “gute Schule” zentral erscheinen.

Die Jurymitglieder - unter ihnen Pisa-Chef Manfred Prenzel, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Erich Thies, der Schulentwickler Otto Seydel und die Schulleiterin Enja Riegel - bewerten noch vier weitere “Qualitätsbereiche” als unabdingbar für pädagogische Leuchtfeuer: den Umgang einer Schule mit Vielfalt, die gemeinsame Verantwortung für ihren Betrieb, das Schulklima sowie das Selbstverständnis als “lernende Institution”.

(von: JEANNETTE GODDAR)

Quelle: www.fr-online.de

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2010 by: Bildungsstand(ard)ort Deutschland • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.