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Schulreform: Mindestens haltbar bis 2019

Mehr Gesamtschulen oder lieber mehr Gymnasien? Abitur nach zwölf oder doch besser nach 13 Schuljahren? Schon mancher Landtagswahlkampf in Deutschland entwickelte sich zum mittleren Schulkampf. In Bremen war das in den vergangenen Jahrzehnten nicht anders. Im neuen Jahr aber soll hier der große Schulfrieden einkehren. Rechtzeitig vor Jahreswechsel haben sich die rot-grüne Regierungskoalition und zwei von drei Oppositionsfraktionen auf einen “Konsens zur Schulentwicklung” geeinigt, der 2009 im Bremischen Schulgesetz verankert wird und dann zehn Jahre lang gelten soll.

Dieser historische Kompromiss zwischen SPD und Grünen auf der einen Seite sowie zwischen CDU und FDP auf der anderen Seite ist laut Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) bundesweit einmalig. Künftig wird also nicht mehr nach jedem Regierungswechsel am Schulsystem herumgedoktert. Zunächst allerdings bringt der Schulkonsens einiges durcheinander. Künftig gibt es in Bremen nur noch zwei Schularten - das Gymnasium mit dem Abitur nach dem zwölften Schuljahr und die neue sogenannte Oberschule, die alle Abschlüsse anbieten soll: neben Hauptschul- und Realschulabschluss auch das Abitur nach dem 13. Schuljahr.

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Noch vor wenigen Jahren war das Bremer Bildungssystem so kompliziert, dass ein Kommentator spottete, es wirke so, “als hätte man auf kleinstem Raum die Schulsysteme aller Bundesländer nebst einiger Kantone der Schweiz abbilden wollen.” Da gab es nach der vierjährigen Grundschule die zweijährige Orientierungsstufe, die Gymnasien, die integrierten Gesamtschulen und außerdem die Schulzentren mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig.

Dann aber kam der Pisa-Schock: Der Stadtstaat an der Weser schnitt bei der Lernvergleichsstudie schlechter ab als alle anderen Bundesländer. Deshalb beschloss die damals regierende SPD/CDU-Koalition 2004 eine er-ste Schulreform: Die Orientierungsstufe wurde abgeschafft. An den Schulzentren werden die Haupt- und Realschüler seitdem bis zum Ende der achten Klasse gemeinsam unterrichtet.

Unübersichtliches System bleibt

Knapp fünf Jahre später nun also die nächste Reform. Wenn nach den Parteispitzen demnächst auch das Bremer Parlament zustimmt, werden die Schulzentren und die integrierten Gesamtschulen jahrgangsweise in Oberschulen umgewandelt. Sie dürfen Kinder mit unterschiedlichen Leistungen entweder getrennt oder gemeinsam unterrichten.

Ganz so übersichtlich wie angekündigt wird das neue System aber nicht und findet daher auch nicht überall Beifall. Die Linksfraktion trägt den Konsens nicht mit, denn aus ihrer Sicht “untermauert er die Spaltung der Bildungslandschaft”. Auch die Lehrergewerkschaft GEW lehnt den Kompromiss ab: “Mit ihm wird die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems für die nächsten zehn Jahre zementiert.” Die “Schule für alle”, wie sie zunächst auch von Rot-Grün angestrebt worden sei, rücke nun “in weite Ferne”.

(Artikel von: ECKHARD STENGEL/fr-online.de)

Quelle: www.fr-online.de

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