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Kinderbildungsgesetz KiBiz erhält schlechte Noten

NRW Sieben Monate nach der Einführung des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) wächst einer Studie zufolge die Kritik von Erziehern und Eltern. Sie beklagen unter anderem schlechtere Arbeitsbedingungen und ein wenig bedarfsgerechtes Betreuungsangebot. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) hält nicht, was die Politik mit Einführung im August 2008 versprochen hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine zu Jahresbeginn durchgeführte – nach eigenen Angaben repräsentative – Studie des Sozialpädagogischen Instituts (SPI) der Fachhochschule Köln.

Auftraggeber ist ein Aktionsbündnis von 19 landesweiten Trägern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Angeschrieben wurden elf Prozent (1018) aller Tageseinrichtungen in NRW. An der schriftlichen Befragung beteiligt haben sich 314 Einrichtungsleitungen, 1407 Mitarbeiter und 732 Eltern.

Situation “gravierend verschlechtert”

„Die Situation für die Kita-Beschäftigten hat sich gravierend verschlechtert“, fasste gestern Verdi-Sprecher Jürgen Reichert in Dortmund zusammen. Die Anzahl der befristeten Arbeitsverträge und von Teilzeitmodellen habe sich erhöht, die der 400-Euro-Jobber verdoppelt.

„Keine guten Voraussetzungen für die Altersgruppe der Unter-Dreijährigen, die eine kontinuierliche Betreuung brauchen“, so Jörg-Thomas Alvermann vom Stadtelternrat Düsseldorf.

“Wenig sicherer Arbeitsplatz”

„56,7 Prozent der Befragten schätzen ihren Arbeitsplatz als weniger sicher ein, viele beklagen Mehrarbeit und Zeitdruck. Außerdem wird häufiger auf Sonderzahlungen verzichtet und Mitarbeiter werden gedrängt, sich auf eigene Kosten in der Freizeit fortzubilden, um im Beruf zu bleiben“, so Reichert.

Was den Bedarf der Eltern betrifft, wird dieser laut Alvermann nicht durch KiBiz gedeckt. Ziel sei es gewesen, Beruf und Familie besser miteinander vereinbar zu machen. Tatsächlich sei das Angebot zu unflexibel: Die frühzeitige Buchung der Betreuungszeiten mache es Eltern unmöglich, flexibel auf veränderte Arbeitszeiten zu reagieren.

„6 Prozent der Eltern wählen die Betreuung außerdem nicht nach Bedarf, sondern nach dem Geldbeutel – das ist nicht familienfreundlich“, bemängelt Alvermann. Auch die Möglichkeiten zur Sprachförderung, ein Kernziel von KiBiz, haben sich laut 42,2 Prozent der Befragten nicht verbessert.

Unbezahlte Praktika

Gleichzeitig steuere die Politik gerade auf einen selbstinszenierten Fachkräftemangel zu, warnt Gerhard Stranz von der Veranstaltergemeinschaft Waldorfkindergartenvereinigung. In der Erzieherausbildung sei ein einjähriges Berufspraktikum Pflicht.

„Die geringen Pauschalen, die jetzt für Berufspraktikanten gezahlt werden, decken die Arbeit in keinster Weise ab. Aber weil jemand ohne Praktikum nicht in dem Beruf arbeiten darf, ist der Nachwuchs erpressbar.“ Ein Teil der Praktikanten erhalte gar keine Vergütung mehr.

KiBiZ brachte massiven Ausbau der Betreuung

Positive Seiten des KiBiz? „Es hat den massiven Ausbau der Betreuung von unter Dreijährigen angestoßen“, meint Prof. Rainer Strätz vom SPI. „Aber es wurde zu viel Geld in die Diagnostik und zu wenig in die Umsetzung investiert. Das muss sich ändern.“

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